Viele Eltern beobachten bei ihrem Kind, dass die Füße nach innen kippen oder das Fußgewölbe kaum sichtbar ist. Schnell entsteht die Sorge:
„Hat mein Kind eine Fehlstellung? Braucht es Einlagen?“
Die Antwort darauf ist nicht immer einfach, denn Kinderfüße befinden sich über viele Jahre in Entwicklung.
Der Kinderfuß entwickelt sich Schritt für Schritt
Bei Babys und Kleinkindern ist ein abgeflachtes Fußgewölbe völlig normal. Erst durch Wachstum, Muskelentwicklung und zunehmende Bewegung verändert sich die Struktur des Fußes.
Dabei spielen nicht nur Knochen und Gelenke eine Rolle, sondern auch:
- Muskelkraft
- Gleichgewicht
- Koordination
- Wahrnehmung aus Fuß und Gelenken
Ein sichtbarer Knick-Senkfuß bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Problem besteht.
Form und Funktion müssen gemeinsam betrachtet werden
In der modernen Betrachtung des Kinderfußes geht es nicht ausschließlich darum, wie ein Fuß aussieht.
Entscheidend ist:
- Kann das Kind schmerzfrei laufen?
- Ist der Fuß belastbar?
- Gibt es Probleme beim Sport?
- Knickt das Kind häufig um?
- Gibt es Auffälligkeiten in Haltung oder Bewegungsablauf?
Viele Kinder mit einem Knick-Senkfuß entwickeln sich völlig unauffällig.
Wann sollte man genauer hinschauen?
Eine Untersuchung kann sinnvoll sein bei:
- Schmerzen in Füßen, Knien oder Beinen
- häufigem Umknicken
- deutlichen Belastungsproblemen
- schneller Ermüdung beim Gehen oder Sport
- auffälliger Beinachse
- ausgeprägten Bewegungsproblemen
Dabei sollte der Fuß immer im Zusammenhang mit dem gesamten Bewegungssystem betrachtet werden.
Der Fuß als Teil eines sensomotorischen Systems
Unsere Füße stehen ständig in Verbindung mit dem gesamten Körper. Informationen aus der Fußsohle helfen dem Nervensystem dabei, Haltung und Bewegung anzupassen.
Die Forschung zeigt, dass die sensorische Rückmeldung aus der Fußsohle eine wichtige Rolle bei Gleichgewicht und Haltungskontrolle spielt.
Deshalb betrachten wir bei einer Analyse nicht nur den Fußabdruck, sondern das Zusammenspiel aus:
- Fußfunktion
- Beinachse
- Haltung
- Bewegungsmuster
- Belastungsverteilung
Können sensomotorische Einlagen sinnvoll sein?
Sensomotorische Einlagen verfolgen einen funktionellen Ansatz.
Sie sollen den Fuß nicht einfach „festhalten“, sondern über gezielte Reize die Wahrnehmung und Muskelsteuerung beeinflussen.
Bei Kindern ist dabei besonders wichtig: Nicht jeder Knick-Senkfuß benötigt eine Versorgung.
Entscheidend ist die Frage:
Passt die Fußfunktion zur Entwicklung des Kindes oder gibt es Hinweise, dass eine gezielte Unterstützung sinnvoll sein könnte?
Eine individuelle Analyse kann helfen, diese Frage besser zu beantworten.
Fazit
Ein Knick-Senkfuß gehört bei vielen Kindern zur normalen Entwicklung und muss nicht automatisch behandelt werden.
Wichtig ist nicht nur die Form des Fußes, sondern wie der Fuß funktioniert und wie er mit dem gesamten Körper zusammenarbeitet.
Eine ganzheitliche Betrachtung kann helfen, den richtigen Zeitpunkt für eine Unterstützung zu erkennen.
Wissenschaftliche Quellen
- Pfeiffer M et al. Prevalence of flat foot in preschool-aged children. Pediatrics. 2006.
- Evans AM. The flat-footed child — to treat or not to treat: what is the clinician to do? Journal of the American Podiatric Medical Association. 2008.
- Wenger DR et al. Corrective shoes and inserts as treatment for flexible flatfoot in infants and children. The Journal of Bone and Joint Surgery. 1989.
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