Einlagen bei O-Beinen (Genu varum): Wenn die Beinachse das Knie belastet

O-Beine – medizinisch Genu varum genannt – sind eine Form der Beinachsenabweichung. Dabei stehen die Knie weiter auseinander, während sich die Füße näher zueinander befinden. Viele Menschen bemerken diese Form der Beinachse zunächst nur optisch. Entscheidend ist jedoch weniger das Aussehen als vielmehr die Belastung im Kniegelenk, die sich dadurch verändert.

In diesem Artikel erfährst du,

  • warum O-Beine häufig entstehen

  • welche Kräfte im Knie wirken

  • warum das langfristig zu Verschleiß führen kann

  • und wie Einlagen sowie gezielte Maßnahmen helfen können

Einlagen bei O-Beinen
O-Beine bei Babys sind zunächst völlig normal

Viele Eltern erschrecken, wenn sie sehen, dass ihr Baby deutliche O-Beine hat. Tatsächlich ist das ein völlig normaler Entwicklungszustand.

Während der ersten Lebensmonate und auch im ersten Lebensjahr ist eine O-Bein-Position typisch. Sie entsteht unter anderem durch die Haltung im Mutterleib. Mit zunehmendem Wachstum verändert sich die Beinachse normalerweise von selbst.

Ein wichtiger Zeitpunkt ist die Phase, in der Kinder beginnen zu laufen. Besonders zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat ist die O-Bein-Position häufig am stärksten ausgeprägt. Wenn Kinder in dieser Phase bereits intensiv laufen, wirken relativ hohe Kräfte auf das Kniegelenk.

Dabei entsteht eine verstärkte Druckbelastung auf der Innenseite des Knies. In manchen Fällen kann dieser Druck das Wachstum beeinflussen, sodass die O-Bein-Achse länger bestehen bleibt.

Wie sich O-Beine auf die Belastung im Knie auswirken

Das Knie ist eines der am stärksten belasteten Gelenke im Körper. Bei jedem Schritt wirken Kräfte, die deutlich über dem eigenen Körpergewicht liegen.

Untersuchungen zeigen, dass bereits beim normalen Gehen enorme Druckkräfte entstehen. So stellte eine Untersuchung fest, dass die Innenseite des Kniegelenks etwa 60–70 % der gesamten Belastung trägt, während die Kräfte beim Gehen etwa 150–200 % des Körpergewichts erreichen können (Andriacchi et al.).

Bei einer normalen Beinachse verteilt sich diese Belastung relativ ausgewogen. Bei O-Beinen verschiebt sich der Druck jedoch noch stärker nach innen.

Schon kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben. Laut Untersuchungen kann bereits eine Abweichung der Schienbeinachse von etwa 5° dazu führen, dass bis zu 90 % der gesamten Kniebelastung auf die Innenseite des Gelenks wirken (Tetsworth et al.).

Diese einseitige Belastung führt dazu, dass bestimmte Strukturen im Knie dauerhaft stärker beansprucht werden.

Warum O-Beine langfristig zu Kniearthrose führen können

Wenn der Druck dauerhaft auf eine Seite des Gelenks konzentriert ist, kann das langfristig zu Verschleiß führen. Besonders betroffen ist dabei häufig die mediale (innere) Kniearthrose.

Eine Untersuchung mit über 200 Personen zeigte, wie stark dieser Effekt sein kann. Menschen mit einem Varuswinkel von mehr als 5° hatten eine bis zu 400 % höhere Progressionsrate der medialen Kniearthrose innerhalb von nur 18 Monaten (Sharma et al.).

Das bedeutet nicht, dass jede Person mit O-Beinen automatisch Arthrose entwickelt. Dennoch erhöht eine ungünstige Beinachse das Risiko deutlich – vor allem, wenn zusätzliche Faktoren wie Übergewicht, einseitige Belastungen oder muskuläre Schwächen hinzukommen.

Viele Betroffene bemerken zunächst nur leichte Symptome wie:

  • Druckschmerz an der Innenseite des Knies

  • Beschwerden bei längeren Geh- oder Stehphasen

  • ein Gefühl von Überlastung im Kniegelenk

  • zunehmende Steifheit oder Reibung

Genau hier setzen konservative Maßnahmen an.

Welche Rolle die Fußstatik bei O-Beinen spielt

Die Beinachse wird nicht nur vom Knie bestimmt. Auch der Fuß beeinflusst die Ausrichtung des Beins.

Wenn der Fuß beispielsweise nach innen oder außen kippt, verändert sich automatisch auch die Stellung von Sprunggelenk, Schienbein und Knie. Dadurch können sich bestehende O-Beine verstärken oder die Belastung im Knie weiter verschieben.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Rückfußbereich, also die Ferse. Bereits kleine Veränderungen der Fersenstellung können die Kräfte im Knie beeinflussen.

Studien zeigen, dass Valgus-Keile unter der Ferse die Belastung im Knie reduzieren können. So konnten Untersuchungen zeigen, dass 5°- und 10°-Valgusstützen die Adduktionsmomente im Knie um etwa 6 % beziehungsweise 8 % reduzieren (Kerrigan et al.). Eine weitere klinische Untersuchung bestätigte ähnliche Ergebnisse mit einer Reduktion von etwa 7 % beim Gehen (Crenshaw et al.).

Das klingt zunächst nach wenig – kann aber für das Knie einen spürbaren Unterschied machen, wenn diese Entlastung bei jedem Schritt wirkt.

Wie sensomotorische Einlagen helfen können

Einlagen können bei O-Beinen eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Belastung im Knie besser zu verteilen.

Das Ziel einer Einlage ist dabei nicht, das Bein „gerade zu drücken“. Stattdessen geht es darum:

  • die Druckverteilung im Fuß zu beeinflussen

  • die Beinachse leicht zu verändern

  • bestimmte Bereiche des Knies zu entlasten

  • Schmerzen durch Druck und Reibung zu reduzieren

Je nach Ausprägung können Einlagen beispielsweise:

  • die Innenseite des Knies entlasten

  • die Außenseite stabilisieren

  • die Fußstellung verbessern

  • längeres Gehen oder Stehen angenehmer machen

Gerade bei beginnenden Beschwerden können solche Maßnahmen helfen, den Verschleiß zu verlangsamen.

Wichtig ist dabei immer eine individuelle Anpassung, da die Ursachen von O-Beinen sehr unterschiedlich sein können.

Warum starke Hüften für die Knie wichtig sind

Neben Einlagen spielt auch die Muskulatur eine entscheidende Rolle. Besonders wichtig sind die Hüftabduktoren, also die Muskeln an der Außenseite der Hüfte.

Diese Muskeln stabilisieren das Becken und beeinflussen indirekt die Kräfte im Knie. Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit einer starken Hüftmuskulatur oft eine langsamere Entwicklung einer medialen Kniearthrose haben.

Eine Studie zeigte, dass ein starkes Hüftabduktionsmoment während des Gehens mit einem verlangsamten Fortschreiten der Kniearthrose zusammenhängt (Chang et al.).

Zu den wichtigen Muskeln gehören unter anderem:

  • Gluteus maximus

  • Gluteus medius

  • Gluteus minimus

  • Tensor fasciae latae

Deshalb empfehlen viele Therapeuten ein gezieltes Training dieser Muskelgruppen.

Interessant dabei: Schon zwei Trainingseinheiten pro Woche können helfen, die Hüfte langfristig stabiler zu machen.

Fazit

O-Beine sind zunächst nichts Ungewöhnliches – besonders im Kindesalter gehören sie sogar zur normalen Entwicklung. Bleibt die Beinachse jedoch deutlich bestehen, kann sie langfristig die Belastung im Kniegelenk verändern.

Durch die stärkere Druckbelastung auf der Innenseite des Knies steigt das Risiko für Knorpelverschleiß und Arthrose. Bereits kleine Abweichungen können dabei große Auswirkungen auf die Druckverteilung im Gelenk haben.

Die gute Nachricht:
Mit einer Kombination aus Bewegungsanalyse, individuell angepassten Einlagen und gezieltem Muskeltraining lässt sich die Belastung oft deutlich verbessern.

So können Beschwerden reduziert und der Verschleiß im Knie langfristig verlangsamt werden.

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